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Blick auf die Bigger Grundschule im Mai 2021. Luftbild: bigge-onlineNachdem es kurzzeitig ruhig um die Bigger Grundschule wurde, nehmen die Diskussionen nun wieder Fahrt auf. Auch der heutige Standort wird wieder in Frage gestellt. Sogar die Option, dass Bigge den Standort gänzlich verliert - sprich Verlegung in den Bereich der Sekundarschule - steht nun irgendwie unwidersprochen im Raum. Jedoch muss man korrekterweise hinzufügen, dass diese Option derzeit nicht offiziell betrachtet wird. Aber von vorn: Im Rahmen der Entscheidung zum Verkauf der Bildungswerkstatt wurde die Verwaltung damit beauftragt, durch ein Architekturbüro ein Raumkonzept für die Schule auf Basis der Vorschläge des Beratungsbüros „Schulhorizonte“ entwickeln zu lassen. In der Sitzung des Ausschusses „Bildung, Sport, Freizeit“ am 23. Juni 2021 stellte nun Architekt Christian Weicken aus Unna mögliche Variantenpläne vor:


Betrachtet wurden dabei verschiedene Punkte, wie die sogenannten multifunktionalen Klassencluster – kurz gesagt besteht ein Cluster immer aus zwei Klassen, die sich zusätzlich einen Differenzierungsraum teilen – benötigte Mehrzweckräume mit Lager oder auch die Eingangs- und Aulasituation. Drei Varianten zur Umsetzung des pädagogischen Konzeptes präsentierte das Büro Weicken.

Variante 1 - wenig bauliche Veränderung, Aula könnte eng werden

Ein Blick auf die Nordseite der Grundschule. Links die Bildungswerkstatt, die in den Sommerferien abgerissen werden soll. Rechts der sogenannte Altbau der Grundschule. Foto: bigge-onlineDie Variante 1 geht „schonend mit dem Bestand“ um, so der Architekt. Dabei gäbe es wenig bauliche Veränderung bei einer weitestgehenden Umsetzung des Konzeptes. Speiseraum und Küche würden aus dem Kellergeschoss in die Mietfläche im neuen Gebäude der Elisabeth-Klinik verlegt. Lehrmittel, Putzmittel und Hausmeister würden im Gegenzug ins Untergeschoss ziehen. Die Aula würde deutlich verkleinert mit der Option, den Gangbereich mitzunutzen. „Das könnte eng werden“, so Christian Weicken.

Verbindung der Gebäude auch im Obergeschoss

In jedem Fall müsse auch die Barrierefreiheit durch einen Aufzug hergestellt werden. Dies würde in allen Varianten vorgesehen ebenso wie eine Verbindung der Gebäude auch im Obergeschoss, so dass ein Aufzug auch ausreichend wäre.

Variante 2 - bessere Raumstrukturen

Ein weitestgehender Erhalt des Gebäudes mit möglicher Erweiterung ist die Überschrift zur Variante 2. Ein Verwaltungstrakt würde kompakt angelegt und es ergeben sich „bessere Raumstrukturen“. Die Aula würde verlegt zugunsten zusätzlicher Spielflächen. Es würde ein zentraler Haupteingang entstehen und eine sogenannte „offene Aula“ unter Einbeziehung des bisherigen Innenhofs. Die Klassencluster sollen in dieser Variante - ebenso wie in der Variante 3 - dezentrale Toiletten erhalten. Auf dem Schulhof würde ein überdachter Außenraum für Regenpausen o.ä. entstehen.

Variante 3 - Fläche im neuen Gebäude der Elisabeth-Klinik würde nicht benötigt

In der Ausschusssitzung am 23. Juni 2021 wurden mögliche Varianten für die bauliche Umsetzung des Pädagogischen Konzepts vorgestellt. Foto: bigge-onlineDie „optimale Umsetzung des pädagogischen Konzepts“ hat die Variante 3 zum Ziel. Küche und Speiseraum würden in das Hauptgebäude ziehen, welches zu einem Kubus würde. Die Gebäude würden durch Erweiterung zusammenwachsen, so dass auch im Oberschoss eine durchgehende Fläche entstünde. Der Altbau würde etwas zurückgebaut bzw. neu errichtet. Dadurch würde auch eine Verbindung der Schulhöfe entstehen. Auch bei dieser Variante wäre ein überdachter Außenraum angedacht. Der Haupteingang aus Richtung Schulstraße würde in eine zentrale Aula münden. Im Erdgeschoss lägen zudem Verwaltung, Speiseraum und Küche. Durch Umbau und Erweiterung würden im Obergeschoss vier Klassencluster mit zentraler Verbindung geschaffen.

Christian Weicken: „Die Variante 3 erzeugt die größte Ordnung, erfordert aber auch die meisten Eingriffe.“ Die Räume im neuen Gebäude der Elisabeth-Klinik würden bei dieser Umsetzen nicht mehr benötigt.

Die Zuschauerplätze waren an diesem Abend auffällig leer. Elisabeth Nieder von der Stadt Olsberg wies darauf hin, dass die Variantenpläne dem pädagogischen Personal, dem Förderverein, dem Sozialwerk und den Elternvertretern sowie der Verwaltung bereits vorab in einer Videokonferenz umfassend vorgestellt wurde.

Variante 1 ausgeschlossen - Sozialwerk bringt Neubau an anderer Stelle ins Gespräch

Die Variante 1 schlossen die Beteiligten dieser Videokonferenz im Grunde aus. Man solle die Wichtigkeit der Aula für Versammlungen nicht vergessen. Diese sei in der ersten Variante recht klein. Das Atrium solle man integrieren und auch ein zentraler Eingangsbereich fand Zustimmung. Auch kam in dieser Runde der Wunsch nach separaten Toiletten in jeder Ebene auf. Laut Frau Nieder waren sich die Konferenzteilnehmer einig, dass die Variante 1 „etwas wenig aus schulisch-sozialer Sichtweise“ sei. Das Sozialwerk brachte in diesem Rahmen nochmal die Option eines generellen Neubaus an anderer Stelle ins Gespräch.

Kosten von fast 10 Millionen Euro

Eine detaillierte Baukostenplanung hatte das Architekturbüro noch nicht vorgenommen. Dies sei im aktuellen Planungsstadium noch zu früh. Klar ist bereits, dass die 450.000 und 500.000 Euro, die für 2021 und 2022 im Haushalt eingestellt werden sollten (Bericht vom 11.12.20), deutlich zu wenig sind: Als grobe Richtschnur für die Varianten 1 bis 3 ging Christian Weicken von 6 bis 9 Millionen Euro aus. Den Zeitansatz für die Umbaumaßnahmen schätzte der Architekt für die Variante auf 24 bis 30 Monate in drei bis vier Bauabschnitten. Die Umbaumaßnahmen könnten im laufenden Betrieb bei teilweiser Auslagerung des Schulbetriebs umgesetzt werden. Bei der Variante 3 könne man sich das allerdings schwer vorstellen, so Bürgermeister Wolfgang Fischer.

Großen Wurf für die Schule erreichen - Diskussion über weiteren Flächenbedarf der Klinik

Ausschussmitglied Knut Finkel (CDU) unterstrich, dass sein „Herz für die Variante 3 schlägt“. Schließlich habe man beim damaligen Doppelbeschluss (für Verkauf der Bildungswerkstatt und das neue pädagogische Konzept) gesagt, dass man einen großen Wurf für die Schule erreichen wolle. Man sollte nicht nach vielen Kompromissen suchen, da die Schule ja auch viele weitere Jahrzehnte genutzt werden solle. Zudem warf er erneut einen Blick in Richtung Klinik: „Wenn wir das machen, muss auch klar sein, dass die Elisabeth-Klinik an dieser Stelle keinen Flächenbedarf anmelden kann“.

Uta Weigand von Bündnis90/Die Grünen stellte auch die Frage nach einer möglichen zukünftigen Erweiterbarkeit der Schule. Man solle nicht nur an die Klinik denken. Zudem sollte die Politik gemeinsam mit den Pädagogen konkret an den Plänen arbeiten.

Weitere Planungen zu einer Erweiterung der Klinik gäbe es derzeit nicht, so Bürgermeister Fischer. Wie sich die Krankenhauslandschaft entwickele, können man nicht wissen. Letztlich könnte es ja auch irgendwann mal in eine andere Richtung gehen, wie ein zentrales Großkrankenhaus im HSK.

Energetische Sanierung berücksichtigt

Aus dem Ausschuss kam noch die Frage nach möglichen Risiken des alten Gebäudes sowie der energetischen Sanierung. Eine energetische Sanierung sei bei allen Varianten einberechnet, so Architekt Weicken. Bezüglich Schadstoffe räumte er ein, dass es bei Altbauten immer ein gewisses Risiko gäbe. Mit Blick auf die energetischen Eigenschaften sei die Variante 3 als umbauter Kubus von großer Bedeutung, fügte Wolfgang Fischer hinzu.

Variante 4: Neubau

Jeannette Friedrich (CDU) sah einen Umbau parallel zum Unterrichtsbetrieb als nicht machbar an – gerade jetzt nach der Coronaphase. Dies sei den Kindern und dem Lehrpersonal nicht zuzumuten. Die Schule müsse während des Umbaus komplett ausgelagert werden. In diesem Zuge brachte sie auch noch einmal eine Variante 4 ins Gespräch: Einen kompletten Neubau an anderer Stelle. Für einen kompletten Neubau nannte Christian Weicken ca. 27 Monate und Kosten von etwa 12 Millionen Euro als Richtwert. (Anm. d.Red. im bereits o.g. Bericht regte Schulplaner Raimund Patt an, auf dem Grundstück Asshauer eine Containerschule anzulegen und in einem umzubauen).

"Ich frage mich, was wir die letzten anderthalb Jahre dann diskutiert haben!"

Zudem sah Jeannette Friedrich eine Aufklärung über das Grundkonzept nochmal als notwendig an, da es sich nicht jeder vorstellen könne. Astrid Hiller - ebenfalls Architektin und Ausschussmitglied der SPD - empfahl, die Variante 3 weiterzuverfolgen. Anne Neumann konnte die Diskussionen unter anderem zum Neubau nicht nachvollziehen: „Ich frage mich, was wir die letzten anderthalb Jahre dann diskutiert haben!“

Bürgermeister bringt Bereich der Sekundarschule ins Gespräch, Ausschussmitglied den Rasenplatz

Bürgermeister Wolfgang Fischer merkte an, dass er Stand Heute kein Grundstück für einen Neubau mitliefern könne. „Ich könnte heute nur sagen: Dann gehen wir zur Sekundarschule nach Olsberg.“ Kommentiert wurde dies aus der Ausschusssitzung nicht. Jeannette Friedrich brachte allerdings für einen Neubau das Grundstück des heutigen Rasenplatzes am Ruhrufer ins Gespräch. Dieses befindet sich heute im Eigentum der Kirchengemeinde Sankt Martin Bigge.

Varianten 2 und 3 werden näher untersucht, Kostenschätzung für Variante 4

Im Ausschuss herrschte durchaus Uneinigkeit. Man müsse aber eine Entscheidung treffen mit Blick auf den bisherigen Ratsbeschluss, so Bürgermeister Fischer. Und das könne nur sein, „die Verwaltung zu beauftragen, die Varianten 2 und 3 näher zu untersuchen einschließlich einer verifizierten Kostenschätzung.“ Zudem könnte eine Kostenschätzung für die Variante 4 (Neubau) vorgenommen werden. Dieser Beschluss wurde schließlich einstimmig getroffen. Alles weitere müsse gegebenenfalls nochmal im Rat diskutiert werden.


Die komplette Vorgeschichte dieses Vorgangs könnt ihr übrigens HIER NACHLESEN.